MPG-Logo
Die LST-1- und MAGIC-Teleskope auf La Palma stehen in der Dunkelheit unter einem klaren, sternenübersäten Nachthimmel mit deutlich sichtbarer Milchstraße.

Die LST-1- und MAGIC-Teleskope auf der kanarischen Insel La Palma. (Foto: Mireia Nievas Rosillo)

Gamma-Astronomie: Neue Erkenntnisse vom Blazar OP 313

OP 313 ist der am weitesten entfernte Blazar, von dem wir wissen, dass er Licht im allerhöchsten Energiebereich aussendet. Diese Entdeckung gelang dem LST-1-Teleskop bereits im Jahr 2023. Nachfolgende Beobachtungen mit dem LST-1 und den beiden MAGIC-Teleskope liefern neue Erkenntnisse über den Mechanismus hinter der extremen Teilchenbeschleunigung in der Umgebung von OP 313 und über die extragalaktische Hintergrundstrahlung. Die Beobachtungsergebnisse wurden jetzt in Astronomy & Astrophysics veröffentlicht.

Vor etwa 11 Milliarden Jahren befand sich unser Universum in einer hochaktiven Phase: Nach einer langen Periode, die als „Dunkles Zeitalter“ bekannt ist, bildeten sich in kürzester Zeit eine Vielzahl von Galaxien und Sternen. Das interstellare Medium war reich an kaltem Gas, dem Baumaterial für die schnelle Entstehung von Sternen – und supermassereichen Schwarzen Löchern. 

Was sind Blazare?

Diese Objekte bilden nach heutigem Kenntnisstand das Zentrum von Galaxien. Ein Aktiver Galaxienkern (AGN) ist ein supermassereiches Schwarzes Loch, das Materie verschlingt – ein leuchtkräftiges Phänomen, das ungeheure Mengen an starker Strahlung freisetzt. Von einem Blazar wie OP 313 spricht man, wenn ein gebündelter Teilchenstrahl als „Jet“ direkt auf die Erde gerichtet ist. OP 313 weist noch eine weitere Besonderheit auf: Als „Flat Spectrum Radio Quasar“ zählt er zu hellsten und leistungsstärksten Strahlern im Universum. Damit ist OP 313 ist die Quelle extrem energiereicher Gammastrahlung, die vor 8 Milliarden Jahren ausgesandt und von den LST-1- und MAGIC-Teleskopen aufgezeichnet wurde.

Hochenergetische Gammastrahlen sind nichts anderes als Lichtteilchen (Photonen), die eine Energie von über 100 Gigaelektronenvolt haben. Wenn ein hochenergetisches Gamma-Teilchen auf seinem weiten Weg durch das Universum mit dem diffusen extragalaktischen Hintergrundlicht (EBL) wechselwirkt, kann sich seine Energie in Materie umwandeln. „Es entstehen ein Elektron und ein Positron, was auch als ‚Paarbildung‘ bezeichnet wird“, erklärt Axel Arbet-Engels, Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Physik (MPP) und korrespondierender Autor der Veröffentlichung. „Dabei verringert sich die Intensität der Gammastrahlung. Das bedeutet: Bei den Teleskopen auf der Erde kommt nur noch ein schwaches Leuchten an – egal wie groß die Strahlung am Ausgangspunkt ist."

Grenzwerte für die Dichte der extragalaktischen Hintergrundstrahlung

Die Teleskope LST und MAGIC sind auf diese Anforderungen ausgelegt und können auch stark abgeschwächte Signale aus der Frühzeit des Universums verarbeiten. Das Max-Planck-Institut für Physik war wesentlich an Entwicklung und Bau der Observatorien beteiligt. Beide Teleskopgenerationen dienen dazu, weit entfernte, energiereiche Gammastrahlen aufzuzeichnen. Tatsächlich messen sie aber Tscherenkow-Licht, eine Form von Strahlung, die entsteht, wenn Gammastrahlen mit Teilchen in der Erdatmosphäre wechselwirken. 

Für die aktuelle Studie analysierten die Forschenden die Datensätze der LST-1- und MAGIC-Teleskope und kombinierten diese mit Daten anderer Instrumente in niedrigeren Energiebereichen. Aus diesen Messungen leiteten die Wissenschaftler:innen klare Grenzwerte für die maximale EBL-Dichte ab, die unser Universum enthalten kann. Da die EBL aus dem gesamten Licht besteht, das Sterne und Galaxien seit Anbeginn der Zeit emittiert haben, ist diese Messung von größter Bedeutung, um mehr über die Entwicklungsgeschichte des Universums zu erfahren.

Der Motor hinter der Teilchenbeschleunigung

Was den Blazar selbst betrifft, kamen sie zu dem Schluss, dass seine bemerkenswerte Gammastrahlen-Emission durch eine dichte Population relativistischer Elektronen angetrieben wird. „Diese Elektronen werden innerhalb des Jets auf nahezu Lichtgeschwindigkeit beschleunigt“, erklärt Axel Arbet-Engels. „Wenn sie im Umfeld des Schwarzen Lochs auf Licht geringerer Energie treffen, übertragen die Elektronen einen Teil ihrer immensen Energie auf die Photonen und verwandeln diese so in extrem energiereiche Gammastrahlen.“ Diese Erkenntnisse bedeuten einen großen Fortschritt im Verständnis des Beschleunigung-Motors von Radioquasaren mit flachem Spektrum.