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Installation des Pixel-Vertex-Detektors im Belle-II-Experiment, Juli 2024 (Foto: Botho Paschen/Universität Bonn)

Nächster Schritt im Materie-Antimaterie-Rätsel: Weltweit größter B-Meson-Datensatz erstellt

Auf der Suche nach Physik jenseits des Standardmodells meldet der SuperKEKB-Beschleuniger in Japan einen Weltrekord. Das Belle-II-Experiment hat kürzlich eine enorme Zahl von B-Meson-Ereignissen aufgezeichnet. Mit diesem bisher einmaligen Datensatz hat die internationale Kollaboration, an der auch Forschende des Max-Planck-Instituts für Physik (MPP) beteiligt sind, einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg in eine neue Ära hochpräziser Messungen erreicht. Diese Untersuchungen könnten dazu beitragen, eine der grundlegendsten Fragen der Physik zu beantworten: Warum besteht das Universum heute fast ausschließlich aus Materie und enthält kaum Antimaterie?

Neue Erkenntnisse erhoffen sich Physikerinnen und Physiker unter anderem von B-Mesonen – Teilchen, die bei Kollisionen von Elektronen und Positronen gemeinsam mit ihren Antiteilchen entstehen. Der SuperKEKB-Beschleuniger fungiert dabei als eine Art „Fabrik“ für B-Mesonen: Er bringt Materie (Elektronen) und Antimaterie (Positronen) bei der Resonanzenergie des Υ(4S) (Upsilon-4S) zur Kollision. Bei dieser Energie ist der Zerfall der Teilchen bei Elektron-Positron-Kollisionen am „saubersten“. Das bedeutet, dass B-Mesonen in einer extrem störungsfreien Umgebung erzeugt und präzise gemessen werden können. 

Seit Beginn des Experimentes im Jahr 2019 haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Beschleuniger kontinuierlich optimiert und einen stabilen Betrieb bei deutlich höheren Luminositäten als beim Vorgängerexperiment Belle am KEKB erreicht. Eine hohe Luminosität – also eine große Zahl von Teilchenkollisionen pro Flächeneinheit und Zeit – erlaubt es den Forschenden, größere Datensätze zu sammeln und Messungen mit höherer Präzision durchzuführen.

Drei neue Rekorde

Ende Mai wurde der bei der Υ(4S)-Energie aufgezeichnete Datensatz für Studien von B-Meson-Zerfällen zum weltweit größten seiner Art. Darüber hinaus erreichte Belle II zwei weitere Meilensteine:

  • eine neue Spitzenluminosität, die etwa 2,5-mal höher ist als der bisherige Rekord von Belle
  • eine Datennahmerate, die rund dreimal höher liegt als im besten Jahr des Belle-Experiments

Der wichtigste Beitrag der Belle-II-Gruppe am MPP unter der Leitung von Dr. Hans-Günther Moser war die Entwicklung und der Bau des Pixel-Vertexdetektors – gemeinsam mit DESY und mehreren großen deutschen Universitäten. Mit einer aktiven sensitiven Schichtdicke von nur 75 Mikrometern, vergleichbar mit der Dicke eines menschlichen Haares, ist dieser Detektor nach wie vor der dünnste in Betrieb befindliche Siliziumdetektor. Er ist entscheidend dafür, dass Belle II Messungen mit höchster Präzision durchführen kann. Darüber hinaus trugen Physikerinnen und Physiker des MPP zur Entwicklung eines Triggers auf Basis neuronaler Netze bei, der besonders leistungsfähig bei der Unterdrückung von Untergrundereignissen ist.

Die Belle-II-Kollaboration umfasst mehr als 1.200 Mitglieder aus 28 Ländern und Regionen weltweit. Ihr Forschungsprogramm konzentriert sich auf Präzisionsstudien schwerer Quarks und Leptonen in einem Gebiet, das als Flavor-Physik bezeichnet wird. Insbesondere suchen die Forschenden nach Hinweisen auf Physik jenseits des Standardmodells – etwa in extrem seltenen und experimentell besonders anspruchsvollen Prozessen. Durch den Vergleich hochpräziser Messungen mit theoretischen Vorhersagen will Belle II mögliche Spuren neuer Teilchen oder fundamentaler Kräfte aufdecken, die über die heutigen Theorien der Teilchenphysik hinausweisen.