applicationContext = Production

Ein Sommer mit Neutrinophysik

Aude Glaenzer und Paul Ripoche, zwei Masterstudenten an der renommierten École normale supérieure de Paris-Saclay, verbrachten vier Monate als Praktikanten am Max-Planck-Institut für Physik (MPP). In dieser Zeit arbeiteten sie in der KATRIN/TRISTAN-Gruppe (Leitung Dr. Susanne Mertens) mit. Kurz bevor sie uns wieder verlassen haben, wollten wir von Ihnen wissen, was sie hier erlebt hatten.

Aude Glaenzer und Paul Ripoche auf dem Tennisplatz – ihrem Lieblingsort am MPP (Foto: B. Wankerl/MPP)

Was hat Sie dazu motiviert, Ihr Praktikum am Max-Planck-Institut für Physik zu absolvieren? 



Aude: Für Studenten an unserer Universität ist ein dreimonatiges wissenschaftliches Praktikum im Ausland verpflichtend. Da ich mich für Teilchenphysik interessiere, sah ich mich nach geeigneten Möglichkeiten um und fand das MPP, wo ich mich dann auch bewarb. Meine Bewerbung fand ihren Weg zu Susanne Mertens – und da war ich.

Paul: Ich hatte das Max-Planck-Institut für Physik schon länger im Blick. Zusammen mit einem anderen Labor in den USA war das MPP in der engeren Auswahl für mein Praktikum. Letztlich entschied ich mich für das MPP und die TRISTAN/KATRIN-Gruppe: Einerseits wegen der bürokratischen Hürden für einen USA-Aufenthalt, zum anderen wegen meiner persönlichen Interessen.

Sie sind also zusammen hergekommen? 



Aude (lacht): Nein, das war purer Zufall!

Erzählen Sie mir von Ihrem Studium.

Aude: An unserer Uni müssen wir einige Grundlagenfächer wie Quantenmechanik oder statistische Physik belegen. Ansonsten können wir uns auf beliebige Gebiete spezialisieren. Paul und ich haben Teilchenphysik, Astrophysik und Quantenphysik gewählt.



Woran haben Sie am MPP geforscht?


Paul: Ich habe das Untergrundrauschen, also störende Signale, bei Prototypen des neuen TRISTAN-Detektors untersucht. Mit TRISTAN wollen Physiker sterile Neutrinos nachweisen. Bei der Entwicklung neuer Instrumente in der Teilchenphysik ist die Charakterisierung von Störereignissen extrem wichtig.

Wir testeten das Verhalten des Detektors, indem wir das Material mit hochenergetischen Elektronen beschossen. Die Versuche fanden am Karlsruher Institut für Technologie statt, an dem der KATRIN-Detektor und die TRISTAN-Instrumente letztlich in Betrieb gehen werden. Es war eine großartige Erfahrung, sowohl die Arbeit im Labor als auch der Austausch mit den Doktoranden am MPP. 



Und Sie, Aude?



Aude: Ich habe am MAJORANA-Experiment gearbeitet, das nach dem neutrinolosen Doppel-Beta-Zerfall sucht. Der größte Teil meiner Arbeit beschäftigte sich mit Simulationen und dem Abgleich von Daten der Technischen Universität München – und deren Auswertung. Ich hatte außerdem die Möglichkeit mir verschiedene Experimente im Gran Sasso Untergrundlabor in Italien anzusehen.

Dort besuchte ich auch ein wissenschaftliches Treffen für LEGEND, einer Kollaboration der Experimente GERDA und MAJORANA. Es war eine interessante Erfahrung zu sehen wie Forschung funktioniert: Jeder Wissenschaftler ist auf einen bestimmten, kleinen Teil eines Experimentes konzentriert – und am Ende muss alles zusammenpassen. Davor hatte ich keine Vorstellung, wie schwierig es ist ein Experiment aufzubauen.



Haben Sie vor, mit Teilchenphysik weiterzumachen?



Paul: Ich mag Teilchenphysik, aber ich weiß es noch nicht. Der Aufenthalt am MPP war mein erster Kontakt mit „echter“ Forschung. In meinem zweiten Jahr meines Masterstudiums werde mich Richtung Astrophysik orientieren.

Aude: Ich war und bin immer noch an Teilchenphysik interessiert, aber ich werde sicher auch noch andere Gebiete ausprobieren, wie zum Beispiel Astrophysik. 



Wie war Ihre Zeit mit der Gruppe? Wie war der Sommer in München? 



Paul: Es hat alles gut gepasst, sowohl am Institut als auch außerhalb. In der Gruppe herrscht eine sehr freundliche und angenehme Atmosphäre – wir haben Einiges zusammen unternommen.

Aude: Wie in Biergärten zu gehen ...

Paul: Ja, wir haben versucht so viele verschiedene Biersorten wie möglich zu probieren.

Aude: Der Englische Garten hat uns gut gefallen, es war schön, in der Isar zu baden oder am Fluss zu grillen.



Was sind Ihre nächsten Pläne?

Paul: Als erstes fahre ich nach Venedig. Und dann - mal sehen!

Aude: Ich werde mit Freunden zum Wandern gehen und danach einige Zeit in Kroatien verbringen. Und vielleicht komme ich im September nach München zurück.